
Als Voraussetzung für die Entfaltung der Persönlichkeit wurde Selbsterkenntnis schon bei den Griechen der Antike als Grundlage gefordert,
wie es u.a. aus der Aufschrift des Apollotempels in Delphi hervorgeht:
>Gnothi seauton< "Erkenne dich selbst".
Schon sehr lange übt der Begriff "SELBST" eine außerordentliche Anziehung auf mich aus, und ebenso die zusammengesetzten Wörter, die in der deutschen Sprache mit "Selbst-" beginnen. So kam es, dass ich bei der Suche nach einem Thema für meine Abschlußarbeit bei meiner Yogalehrerausbildung doch bei dem Begriff "Selbst" geblieben bin, und zum einen behaupten kann, dass Yoga als Begriff jenen Seinszustand meint, in dem das "SELBST" durch einen besonderen Bewusstseinsmodus erfahren werden kann, und zum anderen Yoga als Methode und Mittel dazu dient, diesen Bewusstseinszustand zu erreichen, ja zu Selbstbewusstsein führt. Bei diesem Prozess erweist sich Yoga als die Methode, die noch über die psychologische Ebene hinausführt und somit der Selbsterkenntnis im vollen Masse genügt.
Einer meiner Lieblingstexte über Selbserkenntnis finde ich bei Khalil Gibran:
Zitiert aus: Der Prophet, Khalil Gibran, dtv 2002, S. 70:
Von der Selbsterkenntnis
Und ein Mann sagte: Sprich zu uns von der Selbsterkenntnis.
Und er antwortete und sagte:
Euer Herz weiß schweigend die Geheimnisse der Tage und der Nächte.
Doch eure Ohren lechzen nach dem Klang des Wissens eures Herzens.
Ihr möchtet in Worten erfahren, was ihr im Denken schon immer gewusst habt
Ihr möchtet mit euren Fingern den nackten Leib eurer Träume begreifen. Und das ist auch richtig so.
Der verborgene Quellbrunnen eurer Seele muss unweigerlich steigen und murmelnd zum Meer fließen;
Und der Schatz eurer endlosen Tiefen möchte euren Augen offenbart werden.
Doch haltet keine Waage bereit, um eure unbekannten Schätze zu wägen;
Und versucht nicht, die Tiefen eures Wissens mit Messstab oder Lotleine zu ergründen.
Denn das Selbst ist ein Meer ohne Grenzen und Maß.
Sagt nicht: "Ich habe die Wahrheit gefunden", sondern: "Ich habe eine Wahrheit gefunden."
Sagt nicht: "Ich habe den Weg der Seele gefunden."
Sagt: "Ich bin auf meinem Weg der wandernden Seele begegnet."
Denn die Seele wandelt auf allen Wegen.
Die Seele geht keinen geraden Weg, noch wächst sie wie ein Schilfrohr.
Die Seele entfaltet sich, gerade so wie ein tausendblättriger Lotos." ...